Finanzielle Klarheit als Erfolgsfaktor

Wie sich die Wirtschaft entwickelt, welche Chancen und Herausforderungen auf den Kanton Zug zukommen und warum finanzielle Klarheit gerade jetzt entscheidend ist, erläutern Finanzdirektor Heinz Tännler, Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile sowie Finanzplanungsexperte Pirmin Häfliger, UnternehmerPLUS-Berater Stefan Frischknecht und Moderator Pius Vogel im Interview.

Der diesjährige Wirtschaftsausblick richtet den Blick auf die aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforderungen und deren Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Zug und die Region ZUGWEST.

Pirmin Häfliger, warum brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten finanzielle Klarheit?
Viele Unternehmen stehen gleichzeitig vor steigenden Kosten, geopolitischen Unsicherheiten, regulatorischen Anforderungen und einem anspruchsvolleren Marktumfeld. Gerade in solchen Phasen wird deutlich, wie wichtig finanzielle Klarheit ist.

Unternehmerinnen und Unternehmer kennen ihre Firma sehr gut. Die entscheidende Frage ist aber: Wie wirken sich unternehmerische Entscheidungen auf die persönliche finanzielle Zukunft aus? Unternehmen, Privatvermögen, Vorsorge und Nachfolge sind eng miteinander verknüpft.

Eine professionelle Finanzplanung macht diese Zusammenhänge sichtbar und hilft, den Überblick zu behalten. Denn gerade wenn Unsicherheit zunimmt, werden fundierte Entscheidungen wichtiger. Finanzielle Klarheit bedeutet deshalb nicht nur zu wissen, wo man heute steht, sondern welche Handlungsoptionen man in Zukunft hat.

Welche Erkenntnisse nimmst du aus deiner langjährigen Beratungstätigkeit mit?
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen sich nicht beeinflussen – die eigene Vorbereitung hingegen schon. Genau dort sehe ich den grössten Unterschied zwischen Unternehmen, die Veränderungen aktiv gestalten, und solchen, die darauf reagieren müssen.

Gerade in Zeiten von Unsicherheiten, steigenden Kosten oder regulatorischen Veränderungen zeigt sich, wie wichtig finanzielle Klarheit und eine langfristige Planung sind. Unternehmer, die ihre finanzielle Situation kennen und sich frühzeitig mit Themen wie Vorsorge, Vermögensstruktur und Nachfolge beschäftigen, haben deutlich mehr Handlungsspielraum. In meinen Beratungen sehe ich oft, dass strategische Themen im Tagesgeschäft aufgeschoben werden. Doch wer erst handelt, wenn Veränderungen eintreten, hat meist weniger Optionen.

Deshalb lautet meine wichtigste Botschaft: Wer in guten Zeiten plant, kann in anspruchsvolleren Zeiten Chancen nutzen. Und genau dieser Handlungsspielraum ist für Unternehmer heute wertvoller denn je.

Stefan Frischknecht, was bedeutet das «PLUS» von UnternehmerPLUS?
Das PLUS steht für mehr als klassische Bankdienstleistungen. Unternehmerinnen und Unternehmer benötigen heute nicht einfach eine Finanzierung oder ein Konto, sondern einen Partner, der sowohl das Unternehmen als auch die persönliche Situation versteht.

Genau dieser ganzheitliche Ansatz macht UnternehmerPLUS aus. Unsere Beratung bezieht sich nicht nur auf die Firma, sondern auch auf Vermögen, Vorsorge, Nachfolge und persönliche Ziele der Unternehmerin oder des Unternehmers. So entstehen Lösungen, die langfristig funktionieren, geschäftlich wie privat. Das PLUS steht deshalb für die Verbindung von Fachkompetenz, persönlicher Begleitung und einem starken regionalen Netzwerk.

Welchen Vorteil haben Unternehmer durch die regionale Verankerung von UnternehmerPLUS?
UnternehmerPLUS ist in der Region entstanden und für die Region gemacht. Die Berater kennen die lokalen Unternehmen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und viele Herausforderungen aus eigener Erfahrung. Dadurch entstehen kurze Entscheidungswege und ein Austausch auf Augenhöhe. Gerade in einem sich rasch verändernden Marktumfeld ist es wertvoll, einen Partner an der Seite zu haben, der nicht nur die Zahlen kennt, sondern auch das wirtschaftliche Umfeld versteht. Dieses regionale Beziehungsnetz ist ein wichtiger Teil des PLUS.

Fredy Hasenmaile, Chefökonom Raiffeisen Schweiz, wie entwickelt sich die Schweizer Wirtschaft bis Ende Jahr?
Dank weniger energieintensiver Produktion und hoher Kaufkraft ist die Schweizer Wirtschaft von der globalen Energiekrise vergleichsweise wenig betroffen. Die Inflation ist nur moderat gestiegen, wozu auch der starke Franken beigetragen hat. Zwar verzögert der Iran-Konflikt die lang ersehnte Erholung der Industrie erneut, doch der inländische Konsum bleibt aufgrund stabiler Beschäftigungsentwicklung im Dienstleistungssektor und moderat steigender Reallöhne eine solide Wachstumsstütze. Für 2026 erwarten wir ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts um mindestens 0,8%. Sollte die Strasse von Hormus offen bleiben, dürfte die Industrie in der zweiten Jahreshälfte dann doch noch Fahrt aufnehmen.

Wie beurteilst du die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt der Region?
Die weiterhin tiefen Zinsen bieten nach wie vor sehr attraktive Finanzierungskonditionen für den kreditfinanzierten Haus- oder Wohnungskauf. Trotz des hohen Preisniveaus ist damit die Zuversicht auf der Käuferseite ungebrochen. Die Belebung der Nachfrage nach Wohneigentum setzt sich entsprechend fort. Diese Entwicklung dürfte mit der Beibehaltung des Nullzinses eher noch verstärkt werden. Zusammen mit dem knappen Angebot an Wohnraum dürfte das Immobilienpreiswachstum noch stärker zulegen.

Heinz Tännler, Finanzdirektor des Kantons Zug, wie gut ist der Kanton für die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen gerüstet?
Die weltwirtschaftliche Lage bleibt anspruchsvoll: Geopolitische Verwerfungen, Handelskonflikte und die OECD-Mindeststeuer sorgen für Unsicherheit. Als international vernetzter Wirtschaftsstandort spürt Zug solche Entwicklungen unmittelbar. Umso erfreulicher ist, dass sich unser Standort als widerstandsfähig erweist: Die Jahresrechnung 2025 schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 429 Mio. Franken ab, das Eigenkapital beträgt 3 Mrd. Franken. Diese Stärke ist aber kein Selbstläufer.

Wohin sollen die Investitionen fliessen, damit Zug wettbewerbsfähig bleibt?
Die Mehrerträge aus der OECD-Mindeststeuer investieren wir vollumfänglich in den Standort: mit Förderbeiträgen an Unternehmen für Nachhaltigkeit und Innovation von jährlich bis zu 150 Mio. Franken, mit der Kinderbetreuung (38,9 Mio. Franken pro Jahr), der Wasserinfrastruktur (170 Mio. Franken) sowie der Forschungszusammenarbeit mit der ETH zu Cybersicherheit und KI (80 Mio. Franken). Dazu kommen Vorhaben wie die Umfahrung Cham-Hünenberg oder die neue Kantonsschule Rotkreuz, finanziert ohne neue Schulden. So bleibt Zug wettbewerbsfähig.

Pius Vogel, Moderator, worauf freust du dich beim Wirtschaftsausblick?

Ich freue mich sehr, gemeinsam mit dem Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler und dem Raiffeisen Chefökonom Fredy Hasenmaile einen Blick auf die entscheidenden Fragen für den Wirtschaftsstandort Zug zu werfen. Insbesondere bin ich gespannt, ob die Prophezeiungen vom letzten «Wirtschaftsausblick» eintrafen.

Ich freue mich auf eine lebendige Diskussion darüber, wie Zug seine Attraktivität für Unternehmen und Fachkräfte erhalten kann, welche finanzpolitischen Herausforderungen auf uns zukommen und welche Chancen jetzt genutzt werden sollen. Dabei erhoffe ich mir unterschiedliche Sichtweisen, klare Einschätzungen und wertvolle Impulse für alle Teilnehmenden.

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